Ein Aktiensplit kann für dich als Anleger interessant sein. Aber was genau ist ein Aktiensplit? Kannst du davon profitieren? In diesem Artikel erklären wir dir das Konzept genauer.
Während des Internet-Booms in den späten 90er Jahren waren Aktiensplits an der Tagesordnung. Die Aktienkurse stiegen in dieser Zeit so stark an, dass börsennotierte Unternehmen ihre Aktien gesplittet haben, damit sie für Privatanleger erschwinglich blieben. Cisco tat dies regelmässig. Zwischen 1991 und 2000 führte der Softwareentwickler neun Aktiensplits durch. Auch Apple führte mehrere Splits durch.
Was ist ein Aktiensplit?
Der Begriff ‚Aktiensplit‘ sagt eigentlich schon alles. Ein Unternehmen teilt jede Aktie in einem bestimmten Verhältnis in kleinere Stücke auf, aber der Wert aller Aktien zusammen bleibt derselbe. Auf diese Weise können Unternehmen die Liquidität ihrer Aktien erhöhen. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel einen Aktiensplit im Verhältnis 2:1 ankündigt, verdoppelt sich die Anzahl der Aktien und der Aktienkurs halbiert sich.
Wie funktioniert ein Aktiensplit?
Ein Aktiensplit ist eine Kapitalmassnahme, bei der ein Unternehmen seine bestehenden Aktien in mehrere Aktien aufteilt, um die Liquidität zu erhöhen und neue Investoren anzuziehen, indem es den Stückwert der ausstehenden Aktien verringert. Die gängigsten Split-Verhältnisse sind 2:1 oder 3:1, d. h. jeder Aktionär erhält zwei bzw. drei Aktien für jede zuvor gehaltene Aktie.
Wenn der Aktienkurs eines börsennotierten Unternehmens stark ansteigt, führt das Unternehmen in der Regel einen Aktiensplit durch, um den Kurs zu senken und ihn für Investoren attraktiver zu machen. Viele Anleger kaufen lieber 100 Aktien zu CHF 10 als eine Aktie zu CHF 1000. Durch die Senkung des Preises pro Aktie können neue Anleger die Aktien kaufen, wodurch der Aktienkurs möglicherweise steigt. Aktiensplits können auch die Volatilität des Aktienkurses erhöhen. Das passiert oft schon, bevor der eigentliche Split ausgeübt wird.
Beispiel eines Aktiensplits
Das Unternehmen XYZ hat 10 Mio. ausstehende Aktien, die zu einem Marktpreis von CHF 100 gehandelt werden. Die Marktkapitalisierung beträgt dann CHF 1 Mrd. (10 Mio.* CHF 100). Angenommen, der Vorstand des Unternehmens beschliesst, einen Aktiensplit im Verhältnis 2:1 durchzuführen. Unmittelbar nach dem Split halbiert sich der Kurs automatisch auf CHF 50 und die Anzahl der ausstehenden Aktien verdoppelt sich auf 20 Mio. Die Marktkapitalisierung beträgt immer noch CHF 1 Mrd. Wenn du vor dem Split 10 Aktien im Wert von je CHF 100 hattest, besitzt du nach dem Split 20 Aktien im Wert von je CHF 50. Du hast immer noch Aktien von XYZ im Wert von insgesamt CHF 1000 in deinem Portfolio.
Die häufigste Aufteilung ist 2:1. Es sind jedoch zahlreiche andere Verhältnisse möglich. Denke an 5:1, 7:1, 10:1, 3:2 und so weiter. Im letzteren Fall erhält der Aktionär für je zwei Aktien drei neue Aktien, oder die Anzahl der ausstehenden Aktien erhöht sich um 50 %. Wenn du vor dem Split 10 Aktien im Wert von je 60 € hattest, hast du nach dem Split 15 Aktien im Wert von je CHF 40. Um einen Split durchzuführen, braucht der Vorstand jedoch die Zustimmung der Aktionäre, die auf der Hauptversammlung darüber abstimmen können.
Was ist ein Reverse Stock Split?
Unternehmen können auch einen so genannten Reverse Split durchführen. Dies ist im Grunde das Gegenteil eines Aktiensplits. Bei einem Reverse Stock Split wird die Anzahl der ausstehenden Aktien verringert und der Nennwert pro Aktie um denselben Faktor erhöht. Bei einem Reverse Stock Split ändert sich weder die Marktkapitalisierung eines Unternehmens noch der Aktienbesitz der einzelnen Anleger.
Der Baukonzern Heijmans zum Beispiel führte 2009 einen Reverse Stock Split im Verhältnis 1:10 durch. Dabei wurden 10 Stammaktien mit einem Nennwert von € 0,03 zu einer Stammaktie mit einem Nennwert von € 0,30 zusammengelegt. Wie bereits erwähnt, hat ein Reverse Stock Split keine Auswirkungen auf die Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Wenn der Aktienkurs am Tag vor der Zusammenlegung € 0,03 ist, wird er in diesem Fall danach bei € 0,30 liegen. Aktionäre mit 1000 Heijmans-Aktien hätten nach dem Reverse Stock Split 100 Aktien. Der Gesamtwert bleibt bei € 30.
Ein Reverse Stock Split ist also rein optisch. Unternehmen führen einen Reverse Stock Split oft wegen des negativen Images einer niedrig bewerteten Aktie oder eines Penny Stocks durchführen. Eine solche Aktie ist oft ein Spielball von Spekulanten und kann daher grosse Kursschwankungen aufweisen.
Vor- und Nachteile von Aktiensplits
Unternehmen entscheiden sich oft aus einer Position der Stärke heraus für einen gewöhnlichen Aktiensplit, denn ein Aktiensplit findet in der Regel statt, nachdem der Kurs einer Aktie stark gestiegen ist, z. B. aufgrund eines starken Gewinnanstiegs oder der Aussicht auf zukünftiges Wachstum. Die Anleger sehen den Split als ein positives Signal, dass auch die Gewinnaussichten gut sind. Nach dem Split gibt es mehr Spielraum für einen weiteren Kursanstieg. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Handelbarkeit verbessert und sich die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs verringert. Die Ankündigung eines Aktiensplits hat in der Regel eine preissteigernde Wirkung. Dies ist jedoch nur vorübergehend. Letztendlich ist es der Gewinn pro Aktie, der die Aktienkurse langfristig bestimmt.
Der Prozess eines Aktiensplits ist jedoch kostspielig, erfordert eine sorgfältige rechtliche Überwachung und muss den regulatorischen Anforderungen entsprechen. Ausserdem wird das Unternehmen dadurch nicht wirklich aufgewertet, denn der Wert bleibt, wie oben erwähnt, gleich. Einige öffentliche Börsen, wie die NASDAQ, verlangen ausserdem, dass der Aktienkurs bei oder über $ 1 liegt. Wenn der Aktienkurs dreissig Tage hintereinander unter $ 1 liegt, muss das Unternehmen zurückgerufen werden und hat 180 Tage Zeit, die Vorschriften wieder zu erfüllen. Schliesslich kann ein Aktiensplit auch die ‹falschen› Investoren anziehen. Manche Unternehmen entscheiden sich sogar bewusst gegen einen Aktiensplit, um die Aktien exklusiv zu halten.
Aktuelle Aktiensplits
Auch heute noch sehen wir oft Aktiensplits. Zum Beispiel haben Giganten wie Tesla, Apple, Amazon und Alphabet in den letzten Jahren beschlossen, ihre Aktien zu splitten.
Tesla-Aktiensplit
Im August 2022 führte Tesla einen 3:1-Aktiensplit durch. Vor dem Split lag der Kurs bei $ 891,29 pro Aktie, nach der Aktion bei $ 297.
Apple-Aktiensplit
Seit dem Börsengang des Unternehmens wurde die Apple-Aktie 5 Mal gesplittet. Der letzte Split fand im Jahr 2020 statt, und zwar im Verhältnis 4:1, d. h. von etwa $ 500 pro Aktie auf $ 125 nach dem Split.
Amazon-Aktiensplit
Amazon kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis 20:1 und einen Aktienrückkauf im Wert von $ 10 Mrd. an, der am 3. Juni 2022 in Kraft trat. Es war der erste Aktiensplit seit 1999. Zum Zeitpunkt der Ankündigung waren die Aktien $ 2.785 wert, was einem Anstieg von mehr als 4.500 % seit dem letzten Split entspricht.
Alphabet (Google)-Aktiensplit
Die Alphabet (Google)-Aktie hat insgesamt 3 Aktiensplits erlebt. Der jüngste fand am 18. Juli 2022 statt und war ein Split im Verhältnis 20:1. Vor dem Split wurden GOOGL-Aktien bei $ 2.255,34 gehandelt, nach dem Split lag der Kurs bei $ 112,64.
Warren Buffett
Aktien, die über einen langen Zeitraum stark im Wert gestiegen sind, laufen Gefahr, für Privatanleger unerschwinglich zu werden. Es gibt Aktien mit einem Preis von € 10.000 oder mehr. Ein bekanntes Beispiel sind die Aktien der Klasse A von Berkshire Hathaway, der Investmentgesellschaft von Warren Buffett, die derzeit mit $ 548.364 (€ 501.201) notiert sind (Stand: November 2023). In Europa ist der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli der Spitzenreiter mit einem Aktienkurs von fast € 111.515 (Stand: November 2023).
Für Anleger mit einem kleineren Budget sind diese Aktien unerschwinglich. Das ist auch der Grund, warum Warren Buffetts Anlagevehikel nicht in wichtigen Aktienindizes wie dem S&P 500 enthalten ist. Der weltberühmte Investor hat jedoch nie vorgehabt, seine Anteile zu splitten. Ein Split würde nämlich seiner bekannten Buy-and-Hold-Investitionsstrategie zuwiderlaufen. Laut Buffett sorgt ein hoher Aktienkurs dafür, dass Spekulanten, die auf einen schnellen Gewinn aus sind, fern bleiben.
Dennoch führte Berkshire Hathaway 1996 die sogenannten B-Aktien ein. Diese entsprechen einem Fünfzehnhundertstel einer regulären Aktie und haben daher einen viel günstigeren Preis von $ 361,12 (€ 330,06) zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels. Damit ist Buffetts Investmentgesellschaft auch für den kleinen Privatanleger zugänglich.